Prenzlauer Berg

Supalife Kiosk – Siebdruck Kunst im Prenzlauer Berg


Der Prenzlauer Berg hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die einen beklagen das Verschwinden von bezahlbaren Wohnungen und der damit verbundenen Subkultur, die anderen freuen sich über einen kinderfreundlichen Bezirk, der reich an Cafés und Restaurants ist. Welches am Ende tatsächlich das Superleben ist, bleibt wohl Geschmackssache. Aber das man sich in beiden Welten zurecht finden kann zeigt der Supalife Kiosk in der Raumerstraße. Einst als Projektraum von Studenten gegründet und Teil der vibrierenden Kunstszene des Nachwende Prenzlauer Berges hat er den Wandel hin zum heutigen Familienbezirk miterlebt und es geschafft immer noch ein Teil dieses Kiezes zu sein. Ich sprach mit Denis Engel über die Anfänge und Ausblicke in die Zukunft des Supalife Kiosks.

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Den Laden selber gibt es schon seit 10 Jahren. Ihr habt aber davor schon als Bürogemeinschaft angefangen?

Ja, hauptsächlich Studienkollegen von mir, die Kommunikationsdesign studiert haben. 1999 war das hier noch sehr weit ab vom Schuss. Hier gab es so gut wie keine Läden oder Galerien. Das war dann sozusagen einer der ersten Läden, die hier wieder entstanden sind.

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Was war die ursprüngliche Intention, warum ihr diesen Raum gesucht habt?

Das erste Projekt hieß Filesharing. Es ging darum verschiedene Interessen und Fähigkeiten auszutauschen und zu potenzieren. Es war ein Arbeits- und Projektraum um sich an Altem und neuen auszuprobieren und zu verwirklichen. Es gab Ausstellungen und Gespräche, wie beispielsweise über die Möglichkeiten des Internets, die damals noch keiner erahnen konnte.

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Und wie wurde schließlich ein Kunstkiosk mit Schwerpunkt Grafik und Siebdruck daraus?

Das war schon der persönliche Schwerpunkt von vielen gewesen. Die meisten haben sich dann aber in eine andere Richtung entwickelt und 2004 herum wollten die meisten ihre eigenen Wege gehen. Es gab aber zwei, die zwar unterschiedliche Ideen über ihre Zukunft hatten, aber diesen Raum behalten wollten. Der eine hatte dann im hinteren Bereich ein Büro für seine Grafik- und Programmierungsgeschichten. Und die Zweite war Gabriele Zygor die den Supalife Kiosk schließlich gegründet hat in der Form, wie er jetzt ist. Damals gab es hier in der Ecke viele freie und offene Kunst und Streetart und vieles davon war auch Siebdruck. Und so sind die ersten Jahre des Supalife Kiosk stark im Kontext Grafik, Streetart und Siebdruck gestanden und es entwickelte sich ein Galerie/Ladenkonzept.

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Was ist das Besondere beim Siebdruck? Dass es etwas Haptisches ist?

Ja, genau. Da kommt dann etwas Spielerisches und Handwerkliches mit rein. Man kann extrem sauber arbeiten, aber auch experimentell und fast ins Malerische hinein. Besonders daran sind auch die leuchtenden Farben und dass man interessante Papiere oder auch Materialien wie Stoff oder Holz bedrucken kann.

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Wie entsteht der Kontakt zu den Künstlern, die hier ausstellen und verkaufen?

Am Anfang entstand viel darüber das man auf Ausstellungen und einfach in der Szene an sich unterwegs war. Da kam ein Pool an Leuten rein die bis heute noch dabei sind. Ansonsten hat sich das mittlerweile herumgesprochen und es kommen auch viele Leute um sich hier vorzustellen mit ihren Arbeiten. Es war auch eine glückliche Fügung für den Kiosk das sich dieser grafische Siebdruckbereich reichhaltig entwickelt hat.

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Wie kam es dazu, dass ihr mittlerweile auch ein Verein seid?

Wir haben uns vor anderthalb Jahren zu einem gemeinnützigen Verein umstrukturiert. Das war für uns ein wirtschaftlich absolut notwendiger Schritt, denn große Gewinne fallen hier nicht an. Der Schritt hat uns wirtschaftlich und inhaltlich wieder neue Möglichkeiten gegeben und inzwischen gibt es auch wieder mehr Leute die hier mitarbeiten.

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Was hat das für Veränderungen mit sich gebracht?

Beispielsweise haben wir angefangen, Workshops zu machen. Ursprünglich war das fast wie eine Notwendigkeit, so etwas als Verein zu machen. Mittlerweile hat sich das tatsächlich aber zu einer sehr kommunikativen Sache entwickelt. Wir haben mit Workshops begonnen, welche die einfachen Grundlagen des Siebdrucks vermitteln und einen einfachen Einstieg schaffen. Es gibt auch noch mehr Ideen, zum Beispiel Workshops über Linoldruck oder Holzdruck zu machen, da ist noch viel Potenzial zusammen mit den Künstlern hier so was anzubieten.

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Inwiefern hat es den Kiosk beeinflusst, dass sich hier die Gegend in den letzten Jahren stark gewandelt hat?

Ich glaube, als die Gegend etablierter wurde, haben wir wie so eine Art Punkladen gewirkt, der letztlich aber satt Abstoßung doch eher Interesse bei den Leuten hervorgerufen hat. Speziell bei Ausländer, die völlig verwundert waren, dass so etwas existieren kann. Ich habe auch viel Zeit und Energie darauf verwendet, den Laden trotz geringer Mittel schön zu gestalten. Wir haben beispielsweise den hinteren Raum letztes Jahr komplett renoviert. Der vordere Raum ist jetzt nächstes Jahr dran. Bisher hat sich das alles eher positiv entwickelt, da wir mittlerweile auch höherpreisige Poster und Kunstdrucke absetzen können. Natürlich gab es auch die kurze Unsicherheit, ob wir wo anders hinziehen müssen. Aber wir haben einfach eine starke Verbindung zu dem Kiez und ich hätte jetzt nicht gewusst, wohin in Neukölln (lacht). Die Veränderung hat aber auch mit sich gebracht, dass mittlerweile neben den Touristen auch viele aus dem Kiez hier kaufen.

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Gibt es Pläne wie sich der Kiosk weiterentwickeln soll?

Als Erstes bin ich froh, dass wir uns stabilisiert haben (lacht). Wir mussten beispielsweise einen neuen Mietvertrag unterzeichnen, der sich jährlich erhöht. Das war dann schon eine sehr knappe Entscheidung, ob wir hier weiter machen. Letztlich hängt so ein Projekt manchmal an dem seidenen Faden Motivation. Wir haben uns aber entschieden weiter zu machen mit dem klaren Fokus auf Siebdruck. Wir wollen uns da auch mehr verlinken mit Kunstprojekten oder Festivals. Es gab auch schon mal eine Einladung in die Schweiz. Also den Austausch weiter ankurbeln. Oder ich überlege auch, ob man in Richtung Rahmenbau geht. Das wird zum Beispiel oft gefragt. Oder schön wären auch vermehrt Kooperationen mit Künstlern. Sodass man zusammen beispielsweise ein Poster entwirft, dass es nur hier gibt. Es gab schon eine Reihe „Supalife editions“ und es wäre schön da mal wieder was in die Richtung zu machen. Und die Workshops natürlich; die weiter anschieben ist ein Ziel.

 


Supalife Kiosk
Raumerstraße 40
10437 Berlin

mail: kiosk@supalife.de
tel: 030 44 67 88 26

Öffnungszeiten:
Mo-Sa 12-19 Uhr


Supalife Kiosk

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