Portrait des Möbel Restaurators Michael Wintjen
Schöneberg

Restaurator Michael Wintjen – Bewahren von Schönheit und Qualität


Wer Michael Wintjens Restaurierungs-Atelier besucht, fühlt sich nicht nur an einen anderen Ort, sondern auch in eine andere Zeit versetzt. In einem Hinterhof eines gewöhnlichen Wohnhauses befindet sich die Remise, die Michael Wintjen als Werkstatt dient. Patina und altes Holz prägen das Bild. Es gibt einen alten Kohleofen. Im Winter muss man erst mal eine Stunde anheizen, erzählt Michael. Fast scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Aber der Ort ist auch geprägt von einer großen Ruhe und Gelassenheit. Man hat das Gefühl, Zeit spielt keine Rolle. Der perfekte Ort um sich mit alten Möbeln zu beschäftigen.

Der Hiternhof in dem Michael Wintjens Atelier liegt.

Die Werkstatt befindet sich in einer Remise, die schon als Stellplatz für Kutschen in den 1920er Jahren fungierte. Wie sind Sie hier gelandet?

Durch eine ersteigerte Hobelbank bei eBay für meine noch nicht vorhandene Werkstatt. Es stellte sich heraus, das der Verkäufer der Hobelbank mit dem damaligen Inhaber der Werkstatt zusammengearbeitet hatte und gab mir den Hinweis das dieser einen Nachfolger sucht. Nach dem ersten Schritt in der Werkstatt, war für mich klar das Ich bleiben will und so ist es auch gekommen. Ich habe noch ein Jahr mit Herrn Weiss zusammengearbeitet und dann die Werkstatt übernommen.

Michael Wintjen an seiner Werkbank.

Eine alte Remise und alte Möbeln haben viel mit Tradition und Geschichte zu tun. Beeinflusst oder inspiriert das die Arbeit in irgendeiner Form?

Da in dieser Werkstatt schon seit den 50er Jahren restauriert wird, möchte ich natürlich so lange wie möglich die Tradition weiterführen … es ist ja wie eine Zeitreise beim Betreten der Werkstatt und das spielt natürlich auch für mich bei der Arbeit eine Rolle. Ich bin einfach gerne hier und liebe den alten Charme und sehe es auch als meine Aufgabe an, dieses alte Flair und die Tradition der Möbelrestaurierung zu erhalten. Denn viele alte eingerichtete Werkstätten gibt es nicht mehr in Berlin.

Werkzeuge an der mit patina bedeckten Wand.

Wie sind Sie zum Restaurieren gekommen. Was fasziniert Sie daran?

Nach abgeschlossener Tischlerlehre und Gesellenjahren bin ich 2002 aus Norddeutschland nach Berlin gekommen und habe einen alten Kunsttischler kennengelernt, bei dem ich das Handwerk der Möbelrestaurierung lernen durfte. In Paris habe ich mich damals 2005 in der Werkstatt meines jetzigen Kollegen mit den französischen Techniken vertraut gemacht. Faszination ist nicht der richtige Begriff. Ich liebe meinen Beruf und fertig.

Michael Wintjen mit einer Holztür einer Kommode

Worauf kommt es beim Restaurieren von Möbeln an?

Mein alter Lehrmeister sagte: Bewahre die Schönheit, bewahre die Qualität und befriedige das Auge … und dem ist nichts hinzuzufügen.

Wer kommt zu Ihnen? Woher kommen die Möbelstücke die Sie restaurieren?

Ich arbeite hauptsächlich für Privatpersonen, die entweder ein Möbel besitzen, geerbt haben oder auf einer Auktion ersteigert haben.

Ein alter Schrank der restauriert wurde

Ich kann mir vorstellen, dass so ein altes Möbelstück eine eigene Geschichte mitbringt. Ist Ihnen eine besondere in Erinnerung geblieben?

Da gibt es viele … Möbelstücke mit gefundenen Geheimfächern samt Inhalt die dem Besitzer nicht bekannt waren, einem Sekretär mit eingeklebten Brief von den Gesellen, die Anfang des 19. Jahrhunderts einen kurzen Einblick in ihr Leben gegeben haben, handwerklich fantastisch gearbeitete Möbel und natürlich auch die, die einem handwerklich viel abverlangt haben.

Holz das abgehoblet wurde

Gibt es Möbelstücke, die in so schlechtem Zustand sind, dass Sie ablehnen müssen? Oder kann man jedes Stück retten?

Bisher musste ich noch kein Möbel des Zustands wegen ablehnen. Vieles ist möglich. Es ist eher eine Frage des Zeitaufwands und der damit verbunden Kosten, die das Budget des Kunden manchmal übersteigt.

Ein Möbelstück wird geleimt

Sie bieten auch Restaurierungskurse an? Was kann man in so einem Kurs lernen oder erfahren?

Es gibt einmal die Möglichkeit unterschiedliche Themenbereiche je nach eigenem Interesse wie z. B. Leimtechniken, Oberflächentechniken etc. als Kurs zu belegen. Oder man bringt ein eigenes kleines Werkstück mit z. B. Rahmen, Stuhl etc. an dem man lernt, es fachgerecht zu restaurieren.

Eine Schublade voller Metallteile.

Wird das Handwerk des Restaurators im Zeitalter von industriell in Massen gefertigten Möbeln zunehmend schwerer? Oder wird es immer Bedarf für diesen Beruf geben?

Ich spüre davon nichts und glaube das es immer einen Bedarf geben wird. Es kommen Menschen unterschiedlichen Alters zu mir und vermehrt auch jüngere Menschen, die alte Möbelstücke ihrer Eltern oder Großeltern erhalten möchten.

Michael Wintjen in seinem Atelier vor diversen Werkzeug.

 

Restaurierungs-Atelier
Michael Wintjen
Schmargendorfer Straße 5
12159 Berlin

mail: info@restaurierungs-atelier.de
tel: 030 / 40 989 743
mobil: 0160 / 77 013 76


Restaurierungs-Atelier

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