Prenzlauer Berg

miwai – Modisch kleiden mit gutem Gewissen


Gleich gegenüber der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg betreibt Inez Bjørg David den Modeladen miwai. Im ersten Moment könnte man meinen ein weiterer Klamottenladen, wie es zahlreiche in der Gegend rund um die Kastanienallee gibt. Aber miwai ist besonders. Denn alles, was hier verkauft wird, hat nicht nur den Anspruch schick und modisch zu sein, sondern ist zu dem aus fairer Arbeit entstanden, ohne die Umwelt und den Menschen übermäßig zu belasten. In England hat Eco Fashion schon lange nicht mehr das verstaubte Klischee kratzig und unmodern zu sein, das man hierzulande immer noch mit dem Begriff Ökomode verbindet. Doch das soll sich auch hier ändern. Dafür kämpft Inez mit ihrem kleinen Laden und großen Anspruch. Und ein klein wenig darf da auch die Prominenz als Schauspielerin mithelfen und zeigen, dass Mode gleichzeitig schön, ökologisch und fair sein kann.

miwai_02

Du wolltest schon als Kind die Welt retten. Aber wann hast Du gemerkt, dass Nachhaltigkeit der Schlüssel sein könnte, um die Welt zumindest etwas zu verbessern?

Das war als mir klar wurde, welche bedeutende Rolle Konsum spielt. Als Kind wollte ich wie Jane Goodall im Urwald sitzen, Schimpansen beobachten und dafür sorgen, dass man sie nicht tötet. Damals war das sehr auf die Natur und die Tiere bezogen. Mit dem Heranwachsen wurde das Bild natürlich differenzierter. Dass es beispielsweise nicht nur darum geht, die Tiere zu retten, sondern vielleicht ja auch den Menschen. Ich habe beispielsweise eine Yogaausbildung gemacht, wo ich gemerkt habe, dass man dem Menschen im Einzelnen helfen kann und wie schön das ist. Aber das alleine hat mir nicht gereicht und ich wollte mehr. Ich habe festgestellt, dass ein Weg ist, um viele Menschen zu erreichen, Strömungen in der Gesellschaft zu beeinflussen. Und da Geld die Welt regiert ist das Konsumverhalten etwas, wo man viel erreichen kann. Über den Konsum entscheidet jeder Einzelne wie und was produziert wird. Konsumverzicht beispielsweise verändert ja traurigerweise nichts. Das fühlt sich dann in der geschlossenen Kommune mit Selbstversorgung total toll an, aber es ändert in der Welt nichts. Und ganz besonders bewusst wurde mir das mit meinen Kindern, weil man ja plötzlich viel mehr braucht und konsumiert. Man fängt irgendwann an zu überlegen, ob man das jetzt alles wirklich kaufen soll und ob das aus Plastik sein muss oder ob es vielleicht doch andere Möglichkeiten gibt. Und da wurde mir noch mal ganz klar wie viel man als Mensch konsumiert und das dies wirklich einen Unterschied ausmacht.

miwai_08

Künstler: Hendrik Jonas

So wie jeder ausgegebene Euro ein kleiner Stimmzettel ist?

Ja genau so ist das. Und ein T-Shirt für fünf Euro beispielsweise ist niemals fair hergestellt. Das kann man sich abschminken. Irgendjemand hat definitiv darunter gelitten. Und dann stellt sich die Frage, ob ein T-Shirt wirklich fünf Euro kosten muss und ob ich wirklich 50 T-Shirts im Schrank brauche. Oder reichen mir auch zehn T-Shirts, für die ich etwas mehr Geld ausgebe?

miwai_04miwai_05

Du arbeitest auch als Schauspielerin für Film und Fernsehen. Wie regieren die Leute dort auf Dein Engagement?

Ich war schon immer, auch zum Leid anderer, das soziale Gewissen am Set (lacht). Beim Catering beispielsweise. Ich frag dann schon mal nach: “Sagt mal Jungs, müssen das wirklich Plastiktassen sein?“ Das mag schon manchmal nerven. Aber es geht auch darum, ein gewisses Maß zu finden. Ich will jetzt nicht die ganze Zeit mit dem gehobenen Zeigefinger durch die Gegend laufen. Keiner ist perfekt und man macht ja auch selbst Fehler. Aber man kann ja trotzdem, und das wünsche ich mir selbst auch, seinem Gegenüber bestimmte Informationen vermitteln. Dann kann jeder letztlich immer noch selbst entscheiden, was er damit anfängt. Ich finde es ja auch wichtig, wenn mir jemand bestimmte Dinge erklärt und ich mein Wissen erweitern kann. Und dann frag ich eben auch einfach mal nett nach, ob man beispielsweise statt Plastikbechern nicht auch Pappbecher nehmen kann. Und meistens geht das dann ja auch.

miwai_09

Aber stößt Du mit deinem Engagement auch manchmal auf Vorbehalte und wie gehst du damit um?

Natürlich (lacht). Also mit dem Laden eigentlich nicht. Der kommt wahnsinnig gut an und jeder findet es gut, ohne schlechtes Gewissen einkaufen zu können. Da treffe ich nur auf positive Resonanz. Wo ich dann aber auch mal auf negative Erfahrungen stoße, ist beispielsweise meine persönliche Entscheidung mich vegan zu ernähren. Das ist für manche Leute wiederum sehr schwierig. Beispielsweise wenn jemand neben mir sitzt und fragt ob es o. k. ist jetzt sein Fleisch zu essen und ob mich das stört. Ich muss dann immer erklären, dass mich das nicht stört. Da will ich auch gar nicht missionieren und die Leute bekehren. Das bringt ja auch nichts den Leuten auf die Wurst zu zeigen und ihnen zu sagen, dass da ein Tier für gestorben ist. Das finde ich selbst grenzüberschreitend. Man kann als Mensch auch nur eine bestimmte Menge an Bewusstsein ertragen. Deshalb funktioniert ja auch ein Biomarkt so gut. Ich kann da einkaufen und muss da nicht jedes Mal nachdenken, ob das jetzt ökologisch o. k. ist. Das wäre ja wahnsinnig anstrengend. Und deswegen finde ich kann man auch nicht einfach jemandem sagen, er soll jetzt was anderes Essen. Das ist eine große Entscheidung sich anders zu ernähren. Das funktioniert dann viel besser, wenn man selbst was Veganes kocht oder veganen Kuchen backt und es den Leuten am Ende schmeckt und sie ganz überrascht sind, dass der Kuchen ohne Ei ist. Dann bekommen die Leute auch einen ganz anderen Zugang dazu.

miwai_10

Ökomode haftet ja immer noch das Klischee an, verstaubt und unmodern zu sein. Versuchst du da quasi auch, anstatt mit dem Zeigefinger, über Stil und Geschmack zu überzeugen?

Ja natürlich. Ökomode ist ja vor allem auch schon Mainstream, es weiß nur keiner. Es gibt beispielsweise Ökolabels, die extra nicht sagen, dass sie Öko sind. Da gibt es Labels, die natürlich auch mit den Vorbehalten konfrontiert waren und dann das Öko einfach weggelassen haben. Plötzlich lief es Bombe. Ich hatte anfangs selbst ein Schild am Ende der Treppe „bio – fair – vegan“. Da sind Leute heruntergekommen, haben das Schild gesehen und sind wieder umgekehrt. Die haben sich richtig erschrocken. Das fand ich interessant. Da hab ich festgestellt, wie negativ behaftet das Thema Öko und Mode ist. Aber ich hoffe, dass ich dies, natürlich auch ein bisschen über die Aufmerksamkeit als Schauspielerin, ändern kann. Und das ich zeigen kann, dass es ganz normale Mode ist, die schön aussieht und nicht alles staubig, braun und Cord ist.

miwai_03

Wie bist Du selber zu dem Thema Mode gekommen?

Ich habe für mich selbst lange recherchiert, wo ich Sachen herbekomme, die Öko und fair, aber auch schön sind. Ich hatte sogar überlegt ein eigenes Modelabel zu gründen. Während dieser Recherche bin ich aber auf ganz viele tolle Labels gestoßen. Und da dachte ich mir: „Moment mal, es gibt so tolle Klamotten, die man aber einfach nirgends findet“. Und das war der Moment wo ich gemerkt habe was genau ich machen will. Nämlich einfach all diese Labels in einem Laden zusammenzubringen.

miwai_06

Wie wählst du die Labels aus die hier im Laden verkauft werden?

Da ist bei mir viel Bauchgefühl dabei. Gerade die kleinen Labels haben beispielsweise keine Zertifikate, da das viel Geld kostet. Wichtig ist für mich das Gesamtkonzept und was die Labels bezwecken wollen. Ganz wichtig ist auch das keine unfaire Arbeit darin steckt. Die Menschen fair zu behandeln finde ich absolut wichtig. Jeder Mensch, der nicht fair behandelt wird, ist auch wiederum nicht fair zu anderen Menschen. Und ich schaue mir das auch jedes Jahr aufs Neue an, weil sich die Standards ständig ändern. Oder manchmal haben Labels Engpässe, um an gute, zertifizierte Stoffe zu gelangen. Das ist dann Abwägungssache. Manchmal muss man eben Labels auch mal sagen, dass man dieses Jahr leider nichts abnehmen kann, weil zu wenig zertifizierte Stoffe verwendet wurden.

miwai_07

Abschließend würde ich noch gerne wissen wie du Dein Engagement, den Laden, die Schauspielerei und zwei Kinder unter einen Hut bringst?

Ich weiß es selbst nicht. Im Moment ist es auch grenzwertig. Das muss ich schon sagen. Mich ärgert das natürlich auch, wenn ich bestimmte Sachen, wie beispielsweise gerade meinen Blog, vernachlässige. Aber dafür gibt es zum Beispiel die Frederica, die hier viel im Laden ist. Und bei den Kindern gibt es natürlich auch noch einen Papa. Und ich bin auch am Überlegen, wie ich bestimmte Dinge so ändern kann, dass es runder läuft. Aber darüber reden wir am besten noch mal in einem halben Jahr (lacht).

 

miwai
Sredzkistr. 6
10435 Berlin

mail: info@miwai.de
tel: 030 443 19 764

Öffnungszeiten:
Di-Fr 14-18
Sa 12-18

miwai

Ebenfalls im Kiez

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis