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Weißensee

Martin Z. Schröder – Drucken im Stile Gutenbergs


Heutzutage kann sich jeder im Handumdrehen eine Visitenkarte gestalten und im Internet für wenig Geld bestellen. Doch wer seine Druck-Erzeugnisse mit einer besonderen Note versehen möchte, sollte vielleicht besser zu einem Drucker wie Martin Z. Schröder gehen. Hier hat man die freie Wahl des Materials, selbst wenn es etwas ungewöhnlicher Karton sein soll. Der Text wird noch von Hand gesetzt und gedruckt wird mit Maschinen, die zum Teil schon hundert Jahre alt sind. Ganz in der Tradition von Johannes Gutenberg. Martin Z. Schröder hat mit seiner kleinen Druckerei im Weißenseer Komponistenviertel eine Nische gefunden. Mit viel Leidenschaft geht er hier einem vermeintlich angestaubten Handwerk nach und erzeugt dabei eine besondere Qualität, wie sie nur handgemachte Produkte aufweisen.

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Sie setzen Buchstaben noch selbst und drucken mit alten Maschinen. Was ist das Besondere dabei?

In meiner Druckerei wird gearbeitet wie vor hundert Jahren. Eine Person macht alles. Vom Entwurf bis zum Farbschnitt. Die meisten Druckereien arbeiten mit Offset- oder Digitaldruck, während ich die alte Buchdrucktechnik, wie sie Gutenberg erfunden hat, nutze.

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Worin liegen die Unterschiede zu modernen Druckverfahren?

Der Bleisatz zeichnet sich zum Beispiel durch eine gewisse Unregelmäßigkeit im Druckbild aus, da die handgesetzten Buchstaben unregelmäßig abgenutzt sind. Dadurch ergibt sich ein wärmeres und angenehmeres Schriftbild, welches nicht so industriell wirkt. Das ist aber mehr was für den Kenner. Mit meinen Druckmaschinen kann ich auch Prägedrucke erstellen, was im Offset und Digitaldruck so nicht möglich ist. Das heißt, die Schrift ist im Papier vertieft und man kann sie fühlen, wenn man darüber streicht. Das ist beispielsweise gerade sehr gefragt. Auch das Einfärben von Schnittkanten ist industriell so nicht möglich, weil es einfach der Handarbeit bedarf.

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Wieso haben sie sich für diese Art des Arbeitens entschieden?

Ich hab ursprünglich Schriftsetzer gelernt und war schon immer vernarrt in das Handwerk. Auch als ich noch in anderen Berufen tätig war hab ich das immer nebenbei betrieben. Außerdem war es damals wie heute eine Nische, die sich mir einfach angeboten hat.

Heute ist alles beliebt, was Retro ist. Sei es die Schallplatte oder die Polaroidfotografie. Ist das ein Trend, der sich auch im Buchdruck bemerkbar macht?

Ich würde das gar nicht so sehr als retrospektiv ansehen. Ich glaube, das ist eher die Sehnsucht nach der Spur einer menschlichen Tätigkeit. Je glatter die Industrieprodukte werden, desto mehr erfreut man sich an Dingen, die vielleicht etwas krumm und nicht so perfekt sind. Es ist die Suche nach einer gewissen Wärme in den Produkten, die man industriell nicht herstellen kann. Und man möchte wieder Kontakt zu den Personen, welche die Dinge anfertigen. Handgemachte Dinge sind natürlich teurer, aber das ist mittlerweile ein Luxus, den man sich leistet, um etwas mehr Menschlichkeit in den Dingen wiederzufinden, die einen umgeben.

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Und wer leistet sich den Luxus zu Ihnen zu kommen?

Ich habe ganz viele junge Kunden, die mit dem Begriff Buchdruck gar nichts anzufangen wissen, aber in die Buchdruckerei kommen, weil es gerade Mode ist. In Amerika ist der Buchdruck unter dem Begriff Letterpress neu aufgelebt und kommt so auch zu uns. Oft sind es designaffine Menschen, die sich sehr für das Aussehen der Dinge interessieren, mit denen sie umgehen. Dank Internet kommt meine Kundschaft mittlerweile auch aus dem Ausland. Vor zwei Wochen ging ein Paket nach London, morgen geht eins nach Österreich sowie eins nach Shanghai. Auch nach Vietnam, Australien und Kanada hab ich schon geliefert. Berlin ist dafür offenbar ein guter Standort. Oft bekomme ich Anrufe von Leuten aus dem Ausland, die für drei Tage in Berlin sind, und fragen, ob sie nicht vorbei kommen können und dann auch Aufträge erteilen.

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Was sind das hauptsächlich für Aufträge? Gibt es Arbeiten, die aus dem Rahmen fallen?

Was aus dem Rahmen fällt, ist gerade die Mode der Graupappe (lacht). Es muss immer noch rauer und noch befremdlicher sein. Eigentlich ist das für den Papierexperten eher Abfall. Nicht mehr als Verpackungsmaterial. Und daraus mache ich in letzter Zeit Einladungen, Geburtsanzeigen und am meisten Visitenkarten. Find ich auch ganz schön, diese Experimente, die es anfangs sind. Das macht mir richtig Spaß. Diese olle, graue, einen Millimeter dicke Pappe ist übrigens etwas, womit der Offsetdruck auch nicht klarkommt.

Aufwendige Visitenkarten sozusagen als Spiegel des persönlichen Stils?

Die Visitenkarte ist mittlerweile ein Accessoires, das weitere Botschaften übermitteln soll. Da definiert man sich über das eigene Empfinden von Design und Geschmack. Eine Funktion, die es früher nur am Rande gab, ist nun sehr wichtig geworden.

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Wie alt sind die Druckmaschinen, mit denen sie arbeiten?

Die Älteste ist etwa von 1900 und wird noch mit Fußbetrieb bewegt. Und meine elektrischen Original Heidelberger Tiegel sind von 1952 und 1969.

Was passiert, wenn etwas an den Maschinen kaputt geht?

Wenn man Glück hat, findet man über einen Sammler oder lieben Kollegen Ersatzteile. Und wenn alle Stricke reißen, muss man zur Heidelberger Druckmaschinenfabrik gehen und sehr viel Geld bezahlen. Da gibt es noch original Ersatzteile, auch wenn die Maschinen seit 30 Jahren nicht mehr gefertigt werden. Aber die Maschinen gehen nur kaputt, wenn man sie falsch bedient. Sie müssen zwar gewartet werden, haben aber im Grunde keine Verschleißteile.

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Sie schreiben auch über Ihr Handwerk?

Ja, ich schreibe einen Blog über das Druckerhandwerk und berichte aus meiner Werkstatt. Außerdem arbeite ich an einem Buch über das Drucken. Und gelegentlich schreibe ich für Tageszeitungen über Typografie.

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Da steckt ein gehöriges Maß an Leidenschaft hinter Ihrem Beruf?

Ja, das ist ein großartiges Handwerk, da man gleich mehrere Berufe gleichzeitig ausübt. Man ist Gestalter und Berater, außerdem ist man Schriftsetzer und natürlich Drucker. Und Kaufmann auch noch. Es ist schon enorm vielseitig, und das macht großen Spaß.

 


Martin Z. Schröder, Drucker
Meyerbeerstraße 62
13088 Berlin

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tel: 030 47 00 43 12

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