Kreuzberg

ManuTeeFaktur – Alte Tee Rezepturen in modernem Gewand


Wenn es kalt wird und der Winter kommt, greift man gerne zum Teebeutel und gießt ihn mit heißem Wasser auf. Aber dass Tee auch ganz anders geht beweist Manu Kumar mit seiner TeeManuFaktur in Kreuzberg. In einem wunderschönem Hinterhof direkt am Paul-Linke-Ufer braut Manu Tee, füllt ihn in Flaschen ab und versieht ihn mit schlichten, aber liebevoll gestalteten Etiketten. Die Tees ziehen dabei zum Teil über Stunden und sind mit diversen Gewürzen und frischen Zutaten versehen. Und sie schmecken auch ohne die Zugabe großer Mengen Zuckers. Davon ist Manu ein erklärter Gegner. Aber das beste ist – man muss nicht extra auf den Winter warten. Denn die Tees lassen sich zum Teil auch kalt genießen und sind eine wunderbare Erfrischung gerade auch an heißen Sommertagen.

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Wie entstand die Idee hier in einem Kreuzberger Hinterhof Tee zu brauen?

Ursprünglich war das hier eine Druckerei. Ich hatte hier am Anfang mein Atelier und habe als Künstler zwischen Architektur, Malerei und Installation gearbeitet. 2005 habe ich hier das erste Co-Working-Büro in Europa gegründet und ein Netzwerk aufgebaut. Aus Spaß nannten wir es The Business Class Network. Hier kam auch der Tee ins Spiel. Ich habe mir selbst schon immer morgens Tee aufgegossen. Und irgendwann waren hier 10 bis 15 Leute und da habe ich angefangen einfach einen großen Topf aufzusetzen. Daran haben sich alle so sehr gewöhnt, dass alle geschrien haben, als ich mal ein paar Tage nicht da war. Von wegen was mir denn einfiele und dass ich das nächste Mal gefälligst vorkochen soll (lacht). Und als ich mal wieder finanziell nicht so gut aufgestellt war, dachte ich, das ist doch etwas, das ich wirklich kann.

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Wie entstand ursprünglich die Leidenschaft für Tee?

Ich bin jahrelang in Asien gereist, beispielsweise während meinem Studium. Ich habe fünf, sechs Jahre studiert und habe pro Jahr ein halbes Jahr in Asien verbracht. Und als Halbinder lag mir der Tee schon immer nahe. Außerdem war mir auch die Gesundheit immer sehr wichtig. Ich habe mal anderthalb Jahre keinen Alkohol getrunken. Aber nach der hundertsten Apfelsaftschorle hatte ich keinen Bock mehr auf dieses ganze süße Zeug. Und das war dann ein weiterer Grund zu sagen: Das mit dem Tee, das mache ich jetzt.

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Du kommst ja eher von der Kunst, während Tee brauen mehr ein Handwerk ist. Wie verbindest Du das, oder wo sind da die Schnittstellen?

Ich finde es sehr spannend wie ein Künstler zu denken und zu arbeiten aber etwas Handwerkliches zu machen. In beidem geht es um Qualität. Architektur habe ich beispielsweise nie als Wände bauen gesehen. Es geht viel mehr darum, was zwischen den Wänden passiert. Ich finde, ein Architekt ist dann gut, wenn er Räume erschafft, in denen man gut leben kann. Zu viele Architekten beschäftigen sich nur mit Wänden. Und so ist es auch mit Tee, oder den veganen und glutenfreien Sachen, die wir machen. Es muss erst Mal richtig lecker sein. Dann muss es gesund und nachhaltig sein. Ich glaube ein Produkt kann nur gut sein, wenn am Ende der Kette nicht irgendein Bauer ausgequetscht wird. Ich glaube, viele haben auch keinen Bock mehr darauf und zahlen lieber nen Euro mehr um etwas zu bekommen, was uns nicht vergiftet, das schmeckt und wofür nicht irgendwer ausgebeutet wird.

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Wie produzierst Du Deine Tees? Machst Du das meiste selbst?

Die Minze lasse ich in der Domäne Dahlem anbauen. Die machen das Klasse und ich bin da sehr happy mit. Da bin ich dann wieder Architekt. Ich besorge zwar die Pflanzen, aber andere bauen sie an und kümmern sich darum. Schneiden mache ich dann wieder selber, weil ich gerne mit dem Produkt an sich arbeite. Etiketten drucke ich im Copyladen, stemple und schneide sie selber. Der Name ManuTeeFaktur ist da schon Programm. Jetzt wechsele ich gerade ins Umland mit dem Brauen. Da habe ich besseres Wasser und größere Einheiten. Aber da kann ich auch nicht mehr alles selber machen und greife dort wieder auf die Hilfe von Leuten zurück, die das können und Spaß daran haben. Einerseits möchte ich auch, dass das Ganze größer wird und die Nachfrage ist auch da. Aber ich versuche trotzdem ganz kleine Schritte zu machen.

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Eigentlich kann sich ja jeder selbst Tee zubereiten? Wo liegt der Unterschied zu Deinen Tees?

Eigentlich sage ich ja auch immer, am besten macht ihr das selber Zuhause. Aber wer kann das schon über Stunden machen? So übernehme ich halt den Job. Den Masala Chai beispielsweise koche ich anderthalb Stunden. Da können sich erst die ganzen Gewürze entfalten und herauskommen. Es ist dann auch wichtig, was wann und bei welcher Temperatur reinkommt. Der Tee kommt natürlich als letztes rein, sonst wird der gallenbitter. Während beim Ingwer die Schärfe und die ganzen Stoffe darin Zeit brauchen, um auszulaugen. In Deutschland gilt alles was man heiß aufgießt als Tee. Im Englischen unterscheidet man zwischen Aufguss und Tee. Der Lemongrasstee enthält zum Beispiel gar keine Teepflanze. Mate ist klassischerweise auch kein Tee.

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Hier in Kreuzberg teilst Du Dir die Räumlichkeiten, wie damals zu deinen Co-Working-Zeiten. Was gibt es hier neben Tee?

Da gibt es zum Beispiel das Lovebite Girl. Das ist eine Marke die eine Frau aus Australien macht. Das sind glutenfreie Backwaren wie beispielsweise Bananen-Walnuss-Brot. Auch hier geht es darum, dass es in erster Linie lecker schmeckt und dahinter der Aspekt steht, dass es zusätzlich gesund und gut für einen ist. Und Angelo von Kaffeepur ist ein alter Freund aus der Schweiz. Ich sehe das ganze ein bisschen wie ein Plattenlabel. Gute Leute mit der gleichen Philosophie die unabhängig sind und sich innerhalb der ManuTeeFaktur entwickeln können. Es geht dabei um Philosophie und Werte.

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Tee trinken verbindet man ja auch gerne mit zusammensitzen und philosophieren.

Ganz eindeutig ja und nein (lacht). Also ich wehre mich gegen diese klassische Teewelt. Teeläden mit speziellen Tässchen mit dem richtigen Löffelchen dazu. Und Verkäufern, die so tun als wären sie Zen Buddhisten. Das ist nicht meine Welt. Gestern finde ich schön, heute gefällt mir besser. Ich vergleiche es gern mit Yoga. Yoga ist tausende von Jahren alt und trotzdem heute sehr modern. Insofern mag ich das verstaubte Teeimage nicht. Aber andererseits ist Tee natürlich auch ein Ritual. Wenn jemand herein kommt, biete ich erst mal einen Tee an. Und ja, es hat auf jeden Fall damit zu tun, sich zusammenzusetzen, erst mal herunterzukommen und zu entspannen.

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Welche Tees braust du aktuell?

Ich braue aktuell vier Tees. Der erste mit dem ich angefangen habe, war der Indian Masala Chai. Da drin sind die besten Gewürze, die ich auch selber röste und mörsere. Das ist ein Rezept meiner Familie. Dann gibt es den vietnamesischen Lemongrasstee. Der ist aus frischem Zitronengras. Und zwar im wahrsten Sinne frisch, denn wenn man das trocknet bleiben nur ein Zehntel des Geschmacks übrig. Dazu gebe ich Ingwer und Limetten. Ein super Erfrischungsgetränk für den Sommer. Des weiteren gibt es den Tuareg Minztee. Der ist mit frischer Minze, grünem Tee, ein bisschen Ingwer sowie ein bisschen Orange. Er hat einen sehr minzigen und feinen Geschmack. Der Tereré Mate ist aus der Yerba-Pflanze aus Südamerika. Das ist ursprünglich ein Kaltaufguss der Guaraní-Indianer aus Paraguay. Den trinken die auch kalt, mit Fruchtsäften. Und meiner ist ein Rezept mit Ananas. Er hat die Herbe der Mate in Verbindung mit der schweren Süße des Ananasnektars. Ein echter Wachmacher. Und diesen Sommer kommt noch ein Genmai Cha dazu. Das ist ein Tee aus Japan, der traditionell auch kalt getrunken wird und dort Japanese Popcorn Tea genannt wird. Der Legende nach soll ein Diener den Tee versehentlich mit Reiskörnern vermischt und zu lange erhitzt haben. Daraufhin wurde er von seinem Herrn geköpft, der dann aber beschämt feststellen musste, das diese neue Tee-Art sehr gut schmeckte. Das ganze hat was sehr malziges und ist schon fast so eine Art Getreidetee.

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Wie bist Du auf diese alten Rezepte gestoßen?

Die Rezepturen sind alte traditionelle Rezepturen die ich sozusagen neu aufkoche, nur ohne Zucker. In den Tees ist lediglich ein klein wenig Agavendicksaft. Ich bin schon immer zwischen Asien und Europa groß geworden, schon alleine dadurch dass ich halb Inder halb Deutscher bin. Mit 14 bin ich das erste mal alleine in Urlaub gefahren. Da ich sehr früh in einem Internat war, kam ich auch schon sehr früh raus in die Welt. Und da bin ich dann manchmal bis zu einem halben Jahr gereist. Und überall gab es Tee und alte Rezepturen. Das sind Rezepturen die mittlerweile selbst dort in Vergessenheit geraten sind. Durch die Globalisierung drücken dort natürlich auch große Getränkehersteller in die Märkte. Deswegen sind die alten Sachen am aussterben. Aber die Globalisierung hat ja nicht nur Nachteile, sondern der Vorteil ist ja wiederum, dass es jetzt hier in Berlin Zitronengrastee gibt. Ich nehme diese Rezepte einfach auf und trage sie weiter. So ähnlich wie mit Yoga, dass ja selbst in Indien schon fast am aussterben war und jetzt wieder neu auflebt. Ich liebe es, alles neu zu gestalten, wie beispielsweise die Etiketten, an denen ich mich austobe. Aber bei den Rezepten bleibe ich ganz traditionell. Die sind ja auch schon seit Jahrhunderten erprobt.

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Du hast schon so viele unterschiedliche Sachen gemacht. Kannst Du dir vorstellen auch noch Mal in eine ganz andere Richtung zu gehen?

Ich schließe nichts aus im Leben. Das ändert sich bei mir zum Teil drei Mal am Tag (lacht). Aber es macht mir gerade unheimlich Spaß. Und das Feedback, das ich von den unterschiedlichsten Leuten erhalte, sei es von jemand der einfach eine Flasche möchte bis hin zu großen Biomärkten, gibt mir eine große Bestätigung, das ganze weiter zu treiben. Das Feld wird auch immer weiter. Das nächste ist zum Beispiel ein Kombucha. Das ist eine Art Teepilz, zumindest nennt man ihn so, der sich von Tee und Zucker ernährt. Eines der gesündesten Getränke überhaupt. Das Problem ist dass man ihn nicht erhitzen oder pastorisieren darf. Deswegen müssen die Wege ganz kurz sein. Und das möchte ich hier in Berlin einführen. Vier fünf Stationen wo man den frisch und lebendig bekommt. Und ich hab noch ganz andere Ideen im Kopf, wie das alles weitergehen kann. Insofern wird das noch eine Weile dauern bis mir da wirklich langweilig wird (lacht).

 


ManuTeeFaktur
Paul-Lincke-Ufer 44A
2.Hof / Aufgang A
10999 Berlin

mail: Manu@ManuTeeFaktur.com
tel: 030 616 29 691

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