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Friedrichshain

Hops & Barley – Hausgemachtes Bier aus Friedrichshain


Gutes Bier und Amerika, das gilt nach wie vor als zwei Paar Schuhe. Doch ausgerechnet aus den USA kommt ein Trend der sich Microbrewery nennt. Kleine Brauereien, die ihr eigenes Bier herstellen, vollkommen unabhängig von den üblichen Großbrauereien. Auch hierzulande gibt es zunehmend mehr davon. Das Hops & Barleys ist eine davon. Hier braut Philip Brokamp unter anderem Pils, Dunkel oder Weizen. Aber frei nach seinem Geschmack. Hier soll das Pils nicht jede Woche gleich schmecken, sondern einfach nur jede Woche gut. Und obendrein gibt es regelmäßig ein Spezialbier. Das kann manchmal auch nach Kaffee schmecken oder einfach mit exotischen Hopfensorten gebraut sein, die dem Bier ein ungewöhnliches Aroma verleihen. Ausgeschenkt wird das selbst gebraute Bier gleich vor Ort in der dazugehörigen Kneipe. Eine ehemalige Fleischerei mit alten Jugendstilfliesen und urigem Charme.

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Wie ist die Idee entstanden, ein Lokal mit eigener Brauerei zu eröffnen?

Der Grundstein wurde 1996 mit meiner Ausbildung zum Brauer gelegt. Ich habe mehrere Jahre zunächst als Azubi und später als Geselle gelernt und schließlich Brauereitechnologie an der TU studiert. Ich glaube generell hat jeder Brauer im Hinterkopf, einmal sein eigenes Bier zu brauen und nicht nur das, was der Konzern vorgibt.

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Und wie hat es Dich mit Hops&Barley nach Friedrichshain verschlagen?

Ich hatte 2008 in erster Linie an Friedrichshain, Kreuzberg oder Prenzlauer Berg gedacht, da es dort damals noch so gut wie keine Brauereien gab. Und hier in Friedrichshain, gleich Gegenüber, hatte ein Bekannter einen Plattenladen, mit dem ich Hops&Barley ursprünglich auch gegründet habe. So sind wir auf diese Räumlichkeiten gestoßen. Aber den Ausschlag gaben letztlich die alten Fliesen hier. Ich dachte mir eine Brauanlage vor diesen über 100 Jahre alten Jugendstilfliesen sieht bestimmt ganz schick aus. Dann passte es auch ganz gut mit den Räumlichkeiten. Der Keller muss ja beispielsweise groß genug sein. Aber zu groß sollte es auch nicht werden, sondern lieber überschaubar bleiben. Ich wollte kein Großgastronom werden, sondern mir ist es wichtig, auch den Kontakt zu den Stammgästen zu pflegen. Das geht ja oft verloren, wenn man zu groß ist.

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War es von Vorteil, dass es vorher eine Fleischerei war? Ihr hattet ja auch das Problem, dass die Räumlichkeiten lange leer standen.

Das hat nicht wirklich geholfen, da alles sanierungsbedürftig war. Im Keller ging es mit dem Betonieren los und sanitäre Anlagen mussten auch ganz neu gemacht werden. Das war enorm viel Arbeit.

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Welche Vorteile hat so eine kleine Brauerei gegenüber der klassischen Großbrauerei?

Also für mich ganz klar, dass ich komplett meine eigenen Vorstellungen ausleben kann, was in einer großen Brauerei nicht geht. Wenn ich sehe, da ist eine neue, spannende Hopfensorte auf den Markt, kann ich die einfach ausprobieren. Große Brauereien haben seit Jahrzehnten ihre zwei, drei Biere und können da nicht wirklich abweichen von der Herstellung. Ich kann dafür von heute auf morgen etwas Neues machen. Wir haben beispielsweise eine Sondersorte am Hahn die fast wöchentlich wechselt. Insofern kann ich sehr viel ausprobieren und mich austoben, was die Zutaten anbetrifft. Das ist ein riesen Vorteil und man bekommt dadurch auch ein ganz anderes Gefühl für die Rohstoffe.

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Lässt denn das deutsche Reinheitsgebot genug Raum für Experimente?

Es gibt unheimlich viele Varianten innerhalb des Reinheitsgebots. Es gibt ja nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, aber gerade bei den letzten drei genannten gibt es unglaublich viele Möglichkeiten diese zu kombinieren. Aber trotzdem mache ich manchmal auch Biere, die nicht dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen. Wie beispielsweise ein Coffee Ale das ich bei einem Bekannten in Österreich probiert habe und sehr gut fand. Das habe ich dann mit der kleinen Anlage hier im Gastraum einfach mal nach gebraut, was natürlich nicht dem Reinheitsgebot entspricht, weil da Kaffee drin ist. Ich darf es dann nicht Bier nennen, das muss ich aber auch nicht. Das ist dann eben einfach ein Coffee Ale.

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Die Liebe zum Brauen hat also auch was mit der Lust am Experimentieren zu tun?

Ja auf jeden Fall. Das wäre auch Schade in so einem kleinen Betrieb wie hier, nur eins zu eins reproduzierbare Getränke herzustellen. Ich hab gar nicht das Ziel, das beispielsweise das Pils immer gleich schmeckt. Es muss halt an sich einfach nur schmecken (lacht).

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Bekommt man Eure Biere nur bei euch im Lokal oder kann man das auch außerhalb kaufen?

Also man kann für kleine Feiern oder Ähnliches sich eine mobile Zapfanlage mieten mit 30, oder 50 Liter Fässern. Sonst wird alles über den eigenen Zapfhahn verkauft.

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Welche Möglichkeiten gibt es über die Zutaten den Geschmack eines Bieres zu beeinflussen?

Also bei meinem Bamberger Malzlieferanten gibt es um die 40 verschiedene Sorten. Von ganz hell bis stark getrocknet oder geröstet ist alles dabei. Viele meiner Spezialsorten haben um die 4-5 verschiedene Malzsorten enthalten. Dadurch kann man auch die Farbe des Bieres beeinflussen. Und je mehr Malz ich nehme um so stärker wird das fertige Bier. Da kann ich auch noch mal variieren. Mit dem Hopfen kann man die Herbe eines Bieres steuern. Je mehr Hopfen, desto herber das Bier. Es gibt aber auch spezielle Aromahopfensorten, mit denen man das reine Aroma betonen kann. Es gibt Biere, da riecht man hinein, und hat ein Grapefruit-Zitrone-Aroma in der Nase.

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Was waren bisher so Deine ungewöhnlichsten Biere?

Also wie gesagt dieses Coffee Ale ist schon so ein Sonderling (lacht). Das war ein relativ dunkles Ale mit einer Kaffeenote. Ich fand das passte ganz gut. Jetzt haben wir gerade ein Bier gebraut mit Buchweizen. Das Malz gab es auch nicht in Deutschland. Da habe ich einfach mal einen Sack in Belgien bestellt. Was ich letztes Jahr schon gemacht hatte und was dieses Jahr wieder kommen wird, sind australische und neuseeländische Hopfensorten, die ich durchweg gut finde. Die in verschiedenen Mengen auszuprobieren ist schon auch etwas Besonderes.

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Was hat dich ursprünglich zur Brauerei gebracht?

Also erst mal der Umstand, dass mir das Produkt schon immer gut geschmeckt hat (lacht). Aber bei mir war es letzten Endes ein klassischer Einstieg über das Arbeitsamt. Ich hab mich nach der Schule zu orientieren versucht und verschiedene Mappen durchgeblättert und geschaut, was mir zusagen könnte. Ich bin dann irgendwie beim Brauen hängen geblieben und habe mich bei mehreren Brauereien beworben. In Bayern, in der Hallertau, hatte ein kleiner Betrieb zugesagt und dort habe ich nach zwei, drei Tagen glücklicherweise gemerkt, das passt. So bin ich dabei geblieben.

 

Hops & Barley
Wühlischstr. 22/23
10245 Berlin

mail: info@hopsandbarley.eu
tel: 030 293 67 534

Öffnungszeiten:
Mo-Fr ab 17.00
Sa&So ab 15.00

Hops & Barley

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