Schöneberg

Deimel Guitarworks – Gitarren nach Maß


Im Jazz der 30er Jahre hatte es die Gitarre schwer sich gegen die anderen Instrumente durchzusetzen. Sie war einfach zu leise. Bis Leute auf die Idee kamen, sie elektrisch zu verstärken. Was allerdings ursprünglich dazu diente der Gitarre wieder eine Stimme zu geben wurde zu einem Wettrüsten der Verstärker. Und plötzlich war die E-Gitarre so laut, dass sie das dominante Instrument wurde. Der Rock ’n‘ Roll war geboren. Frank Deimel baut genau solche Gitarren. Ambitionierte Hobbymusiker bis hin zu bekannten Rockbands lassen sich bei ihm nach den eigenen Wünschen kreierte Gitarren anfertigen. Ladengeschäft, Werkstatt und Designbüro von Frank Deimel liegen dabei etwas versteckt im Schöneberger Kiez nahe der Monumentenbrücke, die nach Kreuzberg führt. Was Frank Deimels Sonderanfertigungen aber keineswegs davon abhält auch überregional, gar weltweit Anklang zu finden.

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Wie hast du damit begonnen, Gitarren zu bauen? Was war die Initialzündung?

Mein Bruder und ich haben als Jugendliche schon viel Modelbau betrieben. Wir hatten eine Art Bastelkeller und sind dort schon früh mit viel Holz und Kunststoff umgegangen. In der Stadt, in der wir gelebt haben, gab es gleichzeitig eine rege Musikszene. Und irgendwann haben wir eine E-Gitarre ins Haus bekommen, an der wir herumgebastelt haben. Ein Objekt, an dem man basteln kann und das gleichzeitig Musik macht und damit eine zweite Ebene hat, war sozusagen die Initialzündung für mich.

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Wie hast du gelernt Gitarren anzufertigen?

Das habe ich mir alles selber beigebracht. Einfach aus Interesse heraus, weil ich wissen wollte, wie die Dinger funktionieren. Und mit der Modellbauerfahrung konnte ich mich relativ schnell hineindenken, wie so ein Instrument gebaut wird. Wobei mir auch andere Gitarrenbauer bei vielen meiner Fragen weitergeholfen haben. Später in Berlin hab ich dann Industriedesign studiert und konnte da auch die gestalterischen Aspekte vertiefen.

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Bist du selber leidenschaftlicher Gitarrenspieler? Spielst du selber viel?

Mit 16 hatte ich Gitarrenunterricht in Richtung Jazz, Rock, Pop und hatten dann auch eine eigene Band in der Schule. Später in Berlin haben mein Bruder und ich zusammen eine eigene Band gegründet, mit der wir auch auf Tournee waren und eine Schallplatte gemacht haben. Heute baue ich aber nur noch Gitarren. Trotzdem spiele ich noch jeden Tag, da ich ja die Gitarren ausprobieren muss.

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Du baust individuelle Gitarren für deine Kunden. Wer kommt denn zu dir, um sich so ein Einzelstück anfertigen zu lassen?

Das sind in erster Linie ambitionierte Hobbymusiker oder auch Independent Rockbands. Seit vier Jahren gibt es auch eine eigene Serie an Gitarren. Aber Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch mache ich nach wie vor.

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Du hast auch schon Gitarren gebaut für unter anderem Tocotronic und Sonic Youth. Wie sind die auf dich aufmerksam geworden?

Das entstand aus einer Zusammenarbeit mit Pascal Stoffels, einem engen Freund. Er war und ist großer Sonic Youth Fan und wir haben gemeinsam eine sogenannte Offset-Gitarre entworfen, die auf klassischen Modellen der Firma Fender basiert. Gitarren, die viel im Independent Rock gespielt werden. Tocotronic war im erweiterten Freundeskreis und sind auf uns aufmerksam geworden, weil wir diese Gitarren gebaut haben. Dirk von Lotzow, der Sänger, kam irgendwann einfach mit dem Taxi vorbei und hat eine Gitarre aus dem Schaufenster heraus gekauft. Etwas später kam auch der Bassist zu uns und so kommt es, dass sie heute noch mit unseren Gitarren spielen.

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Ist das irgendwie anders mit bekannten Bands zu arbeiten oder sind die wie jeder andere Kunde auch?

Das ist generell sehr unterschiedlich. Tocotronic sind supernette Jungs, mit denen man eins zu eins reden kann. Aber es gibt dann tatsächlich auch Kunden die eine gewisse Aura des Startums um sich haben. Aber in der Regel redet man ja mit den Musikern über Ihr Werkzeug, durch das sie ihre Musik machen. Und das ist dann unabhängig von den Bühnen der Welt, auf denen sie unterwegs sind. Die meisten sind dann doch sehr umgänglich.

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Haben deine Gitarren einen speziellen Klang oder kannst du Gitarren in jede beliebige Klangrichtung entwerfen?

Die Serienmodelle haben schon einen speziellen Klang, der von mir konkret so gewünscht ist. Bei den Sondermodellen gehe ich sehr auf den Kunden ein. Ich frage vorher, was für eine Musik er machen will und welchen Klang er damit erzeugen will. Diese Informationen sind sehr wichtig, um eine Gitarre zu bauen, die auch mit seinen Effekten und Geräten gut zusammenpasst, da die E-Gitarre nicht alleine den Sound ausmacht. Es kommt noch mal eine ganze Kette an Geräten dahinter, wie beispielsweise die Effektgeräte oder auch die Verstärker, welche mal mehr mal weniger zerren und für sich einen eigenen Klang produzieren. Das muss gut aufeinander abgestimmt sein und bei der Gitarre fängt der gute Ton an!

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Wie genau funktioniert das, wenn jemand zu dir kommt und sich eine Gitarre anfertigen lassen möchte? Wie ist der Prozess vom ersten Gespräch bis zur fertigen Gitarre?

Erst mal versuche ich durch ein Interview herauszufinden, wo der Musiker klanglich hin will und was für Vorstellungen er hat. Oft lehnt sich das an bekannten Gitarren an. Und dann sucht man erst mal den Primärton. Ich schaue zum Beispiel ob es eine Gitarre mit verschraubtem oder verleimten Hals ist, welches Holz ich nehme, ob die Gitarre hohl oder nicht hohl ist. So bekomme ich dann Stück für Stück heraus, wie das Instrument am Ende sein soll. Dann geht es natürlich auch viel um Formen und Farben, da die Gitarre schließlich auch ein Accessoire ist. Der Musiker hängt sich die ja um und will damit gut aussehen. Schließlich wird am Computer der Entwurf gestaltet und man spricht das mit dem Kunden ab. Wenn der Kunde einverstanden ist, kann es los gehen mit dem bauen.

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Gibt es bei dem Holz Unterschiede, was den Klang der Gitarre betrifft?

Ja, man nimmt in der Regel sogenanntes Klangholz. Das ist trockener als Möbelbauholz. Es muss also lange gelegen haben und zudem astfrei sein und gerade gewachsen. Die Ansprüche an das Holz sind deutlich höher als bei anderen Produkten. Und dann hat jeder Holztyp eine eigene Dichte und eigene Resonanz. Je nachdem, wo es herkommt. Zum Beispiel aus den Alpen, den Tropen oder dem afrikanischen Flachland.

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Kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern, die du gebaut hast?

Ja, da kann ich mich noch gut daran erinnern. Das war aus dem Rest einer Küchenarbeitsplatte meiner Eltern. Da habe ich einfach die Form mit einer Stichsäge ausgesägt und mit einem gebrauchten, italienischen E-Gitarrenhals zusammengeschraubt, den ich von einem Schulfreund gekauft hatte. Ich bin dann zu einem Autolackierer gefahren und hab sie rot lackieren lassen. Die ist dann aber zwei Jahre später auseinandergebrochen, weil es einfach Spanplatte war. Da war mir klar das ist nicht der richtige Weg. Aber immerhin wusste ich schon mal, wie man so einen Korpus aus Holz baut.

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Gibt es Gitarristen, die du besonders schätzt und für die du gerne mal eine Gitarre bauen würdest?

Ja da gibt es einige. Beispielsweise Nels Cline von Wilco. Wir stehen tatsächlich auch schon in Kontakt. Oder es gibt Klassiker wie Billy Gibbons von ZZ Top. Der sammelt auch Gitarren von Gitarrenbauern. Das wäre ein schönes Ziel ihm mal eine Gitarre zu bauen.

 

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Deimel Guitarworks
Frank Deimel
Bautzener Str. 14
10829 Berlin

mail: info@deimelguitarworks.de
tel: 030 782 67 11

Geöffnet täglich nach Vereinbarung

Deimel Guitarworks

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